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  • christophdobler

Engagement entfesseln: PERMA-Lead für Schulleiter*innen

Aktualisiert: 30. März

Kennst du das? Ein Schulanlass steht bevor. Egal ob eine Adventsfeier, eine Feier zum Frühlingsbeginn, ein Winteranlass oder eine Osterfeier. Die Planung und Umsetzung solcher Veranstaltungen erfordert nicht nur Organisationstalent, sondern vor allem eins – ganz viel Engagement!


Was bedeutet das für Schulleiter*innen? Wie kann es Führungspersonen gelingen, das Engagement der Verantwortlichen - meistens Lehrpersonen - zu entfesseln?


Eins ist klar: Engagement kann man nicht "machen". Dafür gibt es weder Tabletten, Rezepte noch andere 100% - garantierte Vorgehensweisen.


Aber: Schulleiter*innen können Rahmenbedingungen schaffen, in denen Engagement besser möglich wird. Übrigens: Wie alle anderen Führungskräfte auch.


Die Fragestellung lautet also:

Wie können Schulleiter*innen die Rahmenbedingungen so gestalten, damit sich die Lehrpersonen positiv und motiviert engagieren?


Die gute Nachricht: Das ist möglich! Und nicht mit plumpen “Tipps und Tricks”, sondern mit einem wissenschaftlich fundierten Konzept aus der positiven Psychologie, das du genau hier kennenlernst.


Eine Frau auf einer Bühne, in der Hand ein Mikrofon. Im Hintergrund verschiede Menschen. Es handelt sich um einen Schulanlass. Über dem Bild der Schriftzug: Den Schulanlass mit Engagement gestalten


Modere Führung für Schulleiter*innen: Führen mit PERMA-Lead


Es gibt wohl hunderte von verschiedenen Führungskonzepten. Die meisten davon sind leider nicht wirklich wissenschaftsbasiert sondern ein Konzept oder eine Idee, die in den Köpfen verschiedener Menschen entstanden ist.


Dann gibt es aber auch wissenschaftsbasierte Führungstheorien, deren Wirksamkeit mit unzähligen Forschungsergebnissen belegt sind.


In diesem Video über Führung in der Schule (Positive Leadership) lernst du mehr über den wirkungsvollen Führungsstil PERMA-Lead:




Vielleicht hast du schon einmal etwas von PERMA-Lead gehört. Das ist ein wissenschaftliches Konzept aus der positiven Psychologie. Die Idee davon ist es nicht nur, als Organisation (oder als Schule) erfolgreiche Ergebnisse zu erzielen, sondern dabei auch noch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern. PERMA-Lead fokussiert auf die Stärken der Mitarbeitenden und schöpft deren volles Potential aus. 

PERMA ist ein Akronym. Die einzelnen Elemente stehen für:

Zu sehen ist ein Symbol für die positive Führung, unter anderem von Schulen mit "PERMA-Lead". Es ist ein Kreis, der aus 6 Teilen besteht. in den 6 Teilen zu sehen sind die Buchstaben "P" "E" "R" "M" und "A" und "Lead". in der Mitte des Kreises steht "Positive Leadership. PERMA-Lead". Hier im Kontext einer positven Schulführung

P | Positive emotions (positive Emotionen)

E | Engagement

R | Relationships (Beziehungen)

M | Meaning (Sinnerleben)

A | Accomplishment (Erfolge, Zielerreichung)



Übrigens: Auch Lehrpersonen können PERMA zur Stärkung und Förderung der Kinder in der Klasse nutzen.






Doch nun zurück zu unserer Ausgangslage: Der bevorstehende Schulanlass. Aus dem PERMA-Lead Modell ist hier aus Führungsicht vor allem E | Engagement relevant.


Engagement ist ein Schlüsselelement für eine lebendige Schulgemeinschaft. Mit engagierten Lehrpersonen kann ein äusserst kreativer, gelingender und einzigartiger Schulanlass gestaltet werden, der den Schüler*innen (und auch dir :)) ein Lachen aufs Gesicht zaubert und positiv in Erinnerung bleibt. 


Das "Engagement" in den Lehrkräften fördern:

Für dich als Schulleiter*in bietet die Gestaltung von Schulanlässen eine hervorragende Gelegenheit, dieses Engagement in den Lehrkräften zu wecken und zu fördern. Wie kannst du Rahmenbedingungen schaffen, die eben genau dieses "Engagement" in den Lehrkräften entfesseln?




Das "geteilte mentale Modell”

Figuren, die jeweils zu zweit mitenander kommunizieren. Über ihnen sind Sprechblasen. Sie verständigen sich und tauschen sich aus. Das Bild ist im Kontext von Engagement von PERMA-Lead in der Schule

Um ein gemeinsames Ziel erreichen zu können (hier: den Schulanlass gestalten), muss eine geteilte Vorstellung davon herrschen, was das Ziel ist und welche Schritte unternommen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.


In der Arbeits- und Organisationspsychologie nennt man das ein “geteiltes mentales Modell”. Damit ein geteiltes mentales Modell entstehen kann, bedarf es eines ersten Austausches. 


Dabei setzt du als Schulleiter*in die groben Rahmenbedingungen (Thema des Anlasses, Dauer, Budget, Aufwand etc.). Das sind diejenigen Aspekte, die für dich besonders relevant sind oder sogar notwendigerweise eingehalten werden müssen. 


Wenn diese Punkte geklärt sind, kommt das ganze Team ins Spiel: Gemeinsam (!) mit den Lehrpersonen kannst du die Schritte ausarbeiten, die unternommen werden müssen, um das Ziel zu erreichen.


Am Ende der Besprechung sollten alle die gleiche Vorstellung davon haben, was das Ziel ist (wie die Veranstaltung aussehen soll) und welche einzelnen Teilschritte unternommen werden müssen, um dahin zu kommen. Ihr habt am Ende der ersten Besprechung also ein geteiltes mentales Modell. So kannst du schon zu Beginn dafür sorgen, dass Missverständnisse verhindert werden.




Stärken erkennen, fördern und ressourcenorientiert Aufgaben verteilen:

In der Sitzung habt ihr besprochen, welche Schritte unternommen werden müssen, um das Event so zu gestalten, wie ihr es wollt. Die einzelnen Teilschritte sind aber noch nicht aufgeteilt. 


Jetzt kannst du dich als Schulleiter*in fragen, bei welchen Aufgaben jeweils welche Stärken besonders hilfreich sein könnten. Wenn du die Stärken deiner Lehrpersonen kennst, kannst du diese ressourcenorientiert den Aufgaben bzw. zuteilen.


Das klingt vielleicht einfacher als es ist. Alle reden von Stärkenorientierung. Doch dabei gibt es eine zentrale Voraussetzung, die nicht unterschätzt werden darf:



Schaubild, das Schulleiter zeigt, dass Stärkenorientierung damit beginnt, hinzuschauen und Stärken von Lehrpersonen aktiv zu erkennen

Tipp: Schreibe dir immer gleich auf, wenn du bei einer deiner Lehrpersonen einen Stärke entdeckt hast. Dadurch hast du gleich zwei Vorteile:


  1. Du stellst sicher, dass du niemanden aus deinem Kollegium vergisst. Schulleiter*innen haben ja meistens sehr grosse Führungsspannen. Da ist es unmöglich, alles im Kopf zu haben.

  2. Du kannst jederzeit auf die Liste mit den Stärken deiner Lehrpersonen zurückgreifen. Für Gespräche, Projekte und Situationen aller Art.



Eine andere Möglichkeit der Stärkenorientierung: Die Charakterstärken der Positiven Psychologie


In der Wissenschaft der Positiven Psychologie gibt es das fundierte Konzept der Charakterstärken (VIA). Du kannst natürlich auch mit deinem Team den kostenlosen Charakterstärkentest absolvieren und dann damit arbeiten. Den Test findest du auf der Webseite der Universität Zürich.


Hier einige Beispiele (nicht abschliessend), wie du die Charakterstärken bei der Organisation des Schulanlasses nutzen könntest (als Gedankenanstoss):



Kreativität: Lehrer*innen, welche die Charakterstärke Kreativität besonders ausgeprägt haben, könnten sich um die Gestaltung der Räume und die Dekorationen kümmern. Ihre Kreativität wird ihnen helfen, neue, innovative Ideen zu entwickeln.


Neugier: Eine Lehrperson mit ausgeprägter Neugier als Charakterstärke könnte verschiedene Ideen für den Schulanlass erforschen, indem sie sich über aktuelle Trends informiert, andere Schulveranstaltungen oder andere, ähnliche Anlässe analysiert und neue Konzepte und Methoden erforscht, um den Schulanlass aufregend und interessant zu gestalten.


Gerechtigkeit: Eine Lehrperson mit einem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn könnte für die Zuteilung von Teamkolleg*innen und Schüler*innen zu verschiedenen Aufgaben verantwortlich sein. Sie wird mir ihrer Stärke mit Leichtigkeit dafür sorgen, dass alle Lehrpersonen, aber auch alle Schüler:*innen die gleichen Chancen haben, sich aktiv am Gestaltungsprozess zu beteiligen.


Hier findest du einen Überblick über die 24 VIA-Charakterstärken:




Überblick über all 24 VIA Charakterstärken der Positiven Psychologie im Kontext einer positiven Schulführung



Die teilautonome Arbeitsgruppe

8-eckige Formen in verschiedenen Farben. Darin ist jeweils ein Mensch zu sehen. DIe MEnschen in den 8-eckigen, farbigen Formen sind über Pfeile miteinander verbunden. SIe stehen im AUstausch, KOmmunikation und BEzihung zueinander

Um verschiedene Personen um einen Verantwortungsbereich zusammenzufassen, bewährt es sich , teilautonome Arbeitsgruppen zu bilden.


Als Schulleiter:in kannst du das Ziel mit der Gruppe gemeinsam festlegen und bei Bedarf Teilschritte besprechen und vereinbaren.


Für die Zielerreichung ist dann aber die Gruppe selbst verantwortlich. Vielleicht ist eine Lehrperson im Team mit einer hohen Ausprägung in der Charakterstärke "Führung"?


Lehrpersonen mit ausgeprägten Führungskompetenzen könntest die Koordination und Kommunikation innerhalb der teilautonomen Arbeitsgruppen übertragen.


Vielleicht sind nicht nur dir, sondern auch den Lehrpersonen selbst ihre eigenen Stärken gar nicht immer bewusst. Leider sind viele von uns mit dem Glaubenssatz "Eigenlob stinkt" geprägt. Mit dem Modell der VIA-Charakterstärken kannst du als Schulleiter:in helfen, diese Stärken sichtbar zu machen.


Das hilft nicht nur dir bei der Planung und ressourcengerechten Aufteilung der Aufgaben, sondern auch den Betroffenen selbst. Denn wer arbeitet nicht gerne etwas, das er/sie so richtig gut kann? Da steigt das Engagement und wird es wird auch gerne einmal die Extrameile gegangen. 



Freiraum ermöglichen

Innerhalb der teilautonomen Arbeitsgruppen darfst du gerne Freiraum ermöglichen. Du hast im Voraus die Rahmenbedingungen mit den Lehrpersonen besprochen. Nun liegt es an ihnen: Welche Ideen haben sie? Wie möchten sie ihre Ideen umsetzen?


Eine Frau, die in einer Kartonkiste sitzt. Ihr Oberkörper ragt aus der Kiste heraus, über ihrem Kopf leuchtet eine Glühbirne. SIe denkt wortwörtlich "outside the box"

Das heisst natürlich nicht, dass du für Rückfragen, bei Denkblockaden oder anderen

Anliegen nicht für sie da bist. Aber du ermutigst zum Experimentieren und “to think outside of the box”.





Das grosse Thema: Wie gehst du mit "Fehlern" um?


3 Figuren, die sich einen Handlschlag geben. Sie sind ein Team und arbeiten zusammen.

Engagement entsteht oft durchs Experimentieren und das Wagen von Neuem. Aber wo immer zum ersten Mal etwas Neues ausprobiert wird, können Fehler passieren.


Genau: Ich spreche bewusst von "Fehler passieren" und nicht "Fehler machen". Denn ehrlich gesagt, niemand macht wohl einfach so vorsätzlich Fehler. Sie passieren eben. Und das ist eine andere Haltung zum Thema.


Fehler passieren. Aber wie gehst du in deiner Rolle als Schulleiter*in damit um? Ein guter Weg, mit Fehlern umzugehen könnte etwa der folgende sein:


  • Hör dir die andere Seite der Geschichte an, anstatt davon auszugehen, dass du sowieso schon weisst, was passiert ist.

  • Jemand hat dir einen Fehler anvertraut? Das verdient in erster Linie Wertschätzung. Selbstverständlich ist das nicht. Fehler anvertrauen verlangt eine grosse Portion an Vertrauen gegenüber der Führungsperson. Ein wichtiger Aspekt der so genannten psychologischen Sicherheit ist damit erfüllt.

  • Lösungsorientierung: Eine stundenlange Auseinandersetzung mit den Ursachen des Problems ist nicht hilfreich. Natürlich ist es gut, zu wissen, wie das Problem entstanden ist, damit man es in Zukunft vermeiden kann. Trotzdem solltest du darauf achten, dass das Team danach nicht im Ruminieren (grübeln, langes lamentieren und diskutieren der verschiedenen Ursachen) landet, sondern wieder mit Fokus auf die Lösung nach vorne schaut.


  • “Wollen-und-Haben-Analyse”:  Mit dem Team gemeinsam kannst du dir zwei Fragen stellen. Wo wollen wir hin? Und welche Ressourcen haben wir/ können wir uns beschaffen, um das zu erreichen?



Verantwortung übertragen

Engagement entsteht auch über Verantwortung. Die Lehrpersonen sind durch die teilautonomen Arbeitsgruppen für ihren Bereich verantwortlich. Ihre Rolle verschiebt sich dabei von passiver Aufgabenübernahme zu aktiver Mitgestaltung. 


Die gemeinsame Arbeit an einem grösseren Projekt ist nicht nur eine kreative Herausforderung, sondern auch eine Möglichkeit, das Engagement und die Beziehungen zu stärken. Am Ende des Anlasses, könnt ihr auf ein gelungenes Event zurückblicken. 

So hast du gleich mehrere PERMA-Komponenten gestärkt: Positive Emotionen , Beziehungen, Accomplishment und natürlich Engagement. Du hast so nicht nur zu einem gelungenen Event, sondern auch zum Wohlbefinden und der Gesundheit deines Teams beigetragen!


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